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News

19.01.2015
Viele Eltern werden von Kieferorthopäden geschröpft

Immer wieder verweigern Kieferorthopäden ihren Patienten eine Behandlung ohne Zuzahlung. Das ist zwar verboten, aber niemand tut etwas dagegen.

Niemand spart gerne an der Gesundheit, besonders nicht, wenn es um die Gesundheit von Kindern geht. Das gilt auch für Zahnspangen. Manche Kieferorthopäden nutzen diese Haltung der Eltern aus und drängen diese zu hohen privaten Zuzahlungen für eine feste Zahnspange.

Andere Kieferorthopäden, wie Recherchen der FAZ ergaben, verweigern sogar offen eine preiswerte Behandlung. Doch das ist verboten: Kieferorthopäden, die eine Kassenzulassung haben, müssen ihre Patienten auch ohne Zuzahlung behandeln. Zumindest dann, wenn die Korrektur der Fehlstellung medizinisch notwendig ist.

Die Höhe gängiger privater Zuzahlungen liegt zwischen zwanzig und fünfzig Euro im Monat. Die Eltern zahlen sie während der gesamten Behandlungsdauer von meistens drei Jahren.

Ein Kieferorthopäde darf teureres Material benutzen, als es die Kasse vorsieht, aber er darf das den Patienten nur anbieten; die Eltern müssen die Wahl haben und sich frei auch für eine zuzahlungsfreie Variante entscheiden können.
Den Kassen sind die Hände gebunden

Das ist längst nicht immer der Fall. Die Krankenkassen wissen das. „Aber uns sind die Hände gebunden“, heißt es bei der Techniker Krankenkasse. Sie bekommt regelmäßig Beschwerdebriefe von Patienten zu diesem Thema.

Die Kassenzahnärztliche Vereinigung in Hessen hat im vergangenen Jahr 56 solcher Beschwerden an Kieferorthopäden weitergereicht. Sie forderte diese mit dem Schreiben auf, eine Behandlung ohne Zuzahlung anzubieten. In Hessen gibt es etwa 260 Kieferorthopäden: Über mehr als jeden Fünften haben sich also Patienten beschwert.

Die gesetzlichen Kassen zahlen zwischen 2500 und 3500 für eine feste Zahnspange, je nach Art und Dauer der Behandlung. Nach Ansicht des Verbandes der Kieferorthopäden kann man damit „ein vernünftiges Ergebnis“ erzielen.

Im Verband der Kieferorthopäden kennt man die schwarzen Schafe in den eigenen Reihen. „Wir würden gerne gegen sie vorgehen“, sagt die Bundesvorsitzende Gundi Mindermann. „Denn wir wollen nicht, dass einige das Ansehen unseres ganzen Berufsstandes in ein schlechtes Licht rücken.“ Doch tun könne der Verband leider nichts. Es müssten sich schon Eltern bereitfinden, vor Gericht zu ziehen.

 

Quelle: Frankfurter Allgemeine online vom 17.01.2015